Görlitz

Der Europamarathon

Es fühlt sich schon fast so an wie ein großes Familientreffen: Selten kommen so viele verschiedene Kollegen des Arbeiter-Samariter-Bundes zusammen wie beim jährlichen Europamarathon in Görlitz. Ob Vereinsmitglied, Ehrenamtler oder Mitarbeiter – seit bereits 11 Jahren kümmert sich ein engagierter Teil der Kollegen um die medizinische Versorgung des Events, damit die anderen auf den verschiedensten Strecken von 2 bis 42 Kilometer laufen, walken oder skaten können. 

 

Der Rettungsdienstleiter: 

„Vom ersten Tag an bin ich in Görlitz dabei“, sagt Andreas Wünsche. Er sichert als Leiter des Rettungsdienstes die Veranstaltung mit ab. Der Kraftsportler schaut den Läufern allerdings lieber zu. „Die sind ja alle verrückt“, sagt Andreas Wünsche lachend und meint, dass er in seinen 27 Jahren beim ASB schon so einiges erlebt hat. Das Besondere für ihn in Görlitz: hier ist man gleichzeitig mit für die Kollegen im Einsatz. 

Andreas Wünsche

 

Der Ehrenamtler: 

So wie auch Jens Rüpert von der Schnell- Einsatz-Gruppe (SEG) aus Löbau: „Ich mach das gern“. Er ist viele Jahre für den ASB Rettungsdienst gefahren, arbeitet jetzt ehrenamtlich für die Schnell-Einsatz-Gruppe. Ob Auto-, Fahrrad-, Fest- oder eben Laufveranstaltungen - die Einsatzgebiete sind abwechslungsreich. „Das muss es auch, denn durch die Einsätze bleiben nicht viele Wochenenden im Jahr frei“, erzählt Jens Rüpert während er mit seinem SEG Kollegen Ingolf Zeisler eines der 10 Einsatzfahrzeuge entlädt, um das Sanitätszelt für den Europamarathon im Start- und Zielbereich einzurichten.

Jens Rüpert von der Schnelle-Einsatz-Gruppe (SEG) aus Löbau.

 

Der Notfallsanitäter: 

„Wir bauen in 30 Minuten auf. Das geht Hand in Hand. Jeder weiß was er machen muss“, freut sich Ingolf Zeisler über das Zusammenspiel. Er ist für den ASB als Notfallsanitäter tätig, ehrenamtlich. „Im 11. Jahr bin ich jetzt schon in Görlitz dabei.“

Jens Rüpert (hinten links) und Ingolf Zeisler (vorn links) mit ihrem Löbauer Team der SEG.

 

Der Integrierte: 

Mohsen Hosseini (19) hat zwei Jahre als unbegleiteter Geflüchteter aus Afghanistan in einer Wohngruppe des ASBs gelebt und startet nun in den blauen Shirts mit dem aufgedruckten gelb-roten Logo auf der Halbmarathon Strecke. Was ihn motiviert? Er lacht in die Kamera und meint: „Wenigstens einmal im Jahr richtig Sport machen.“ 

Mohsen Hosseini (19) am Start zum Halbmarathon.

 

Der Handballer: 

Anders der 16-jährige Tom Skuras. Er läuft schon zum vierten Mal in Görlitz, allerdings zum ersten Mal den Halbmarathon - das am Liebsten in Gesellschaft anderer ASB-Mitglieder. „Eigentlich bin ich Handballer“, erzählt Tom, der im September bei der Polizei beginnt. Da kann er die Ausdauermeter gut gebrauchen. Und einen kleinen Titel konnte er auch erringen: Er ist nun ASB-Landesmeister. 

Vlnr. Manfred Barthold, Tom Skuras und Mohsen Hosseini am Halbmarathon Start.

 

Der Optiker: 

Auch Optiker Thomas Wünsche ist langjähriges Mitglied im ASB und hat Gefallen an seinem zweiten Lauf über die Neiße gefunden. „Das ist schon was Besonderes, auch wenn die Anstiege in Polen ganz schön in die Beine gehen“, gibt Thomas, nach den absolvierten 10 Kilometern, zu Protokoll. 

Thomas Wünsche bei seinem Zieleinlauf.

 

Die Engagierten: 

Ihren Lauf über 5 km noch vor sich haben die 11-jährigen Zwillinge Robert und Johanna Hasse. Im Vorfeld haben Sie jedoch schon einiges geleistet. Bei einem Schulspendenlauf haben sie den ASB als Sponsor ins Boot geholt und sich ihre erlaufenen Kilometer in barer Münze auszahlen lassen – die kamen dann der Behindertenwerkstadt in Görlitz zugute. Und weil es eben zusammen so gut läuft, tragen die beiden auch heute stolz das blaue ASB-Shirt. 

Die Zwillinge Robert und Johanna mit Mama Carola Hasse.

 

Der Motivator: 

Über die vielfältige Bandbreite der Teilnehmer aus den „eigenen“ Reihen, welche in „seinen“ Shirts laufen, freut sich Dr. med. Matthias Czech. Als ehrenamtlicher Landesvorsitzender des ASB ist der Arzt vom Klinikum in Radeberg unentwegt am Motivieren. Ihm ist es ein großes Anliegen einmal im Jahr so viele Kollegen aus ganz Sachsen zusammen zu bringen, wie es geht. „Es nehmen mal mehr oder weniger teil. Ich freu mich über jeden Kollegen, den ich motivieren kann“, sagt Czech. 

Der ASB Landesvorsitzende Dr. med. Matthias Czech.

 

Das A-Team: 

Neben Matthias Czech steht das „A-Team“, Arta Cetta, Agnesa Shala und Agita Krasniqi aus dem Kosovo. Die drei 19-jährigen Frauen machen derzeit an Matthias Czechs Krankenhaus in Radeberg eine Ausbildung zu Gesundheits- und Krankenpflegerinnen. Czech hat sie kurzerhand eingeladen und mitgebracht. 

Dr. med. Matthias Czech mit dem A-Team vlnr.: Arta Cetta, Agnesa Shala und Agita Krasniqi aus dem Kosovo.

 

Die Krankenschwester: 

Auch Krankenschwester Silke Steiner aus Löbau ist Wiederholungstäterin. Aber diesmal hat sie gleich die ganze Familie mitgebracht. „Wenn, dann alle“, lacht sie im Ziel und nimmt einen großen Schluck aus dem Wasserbecher. 

Silke Steiner (links) hat ihre Familie mit zum Lauf gebracht.

 

Tradition hat auch schon das traditionelle ASB-Teamfoto der Laufteilnehmer. Auf der Freitreppe des alten Görlitzer Rathauses winken die Kollegen*innen noch einmal in die Kamera bevor es auch für Sie auf die Strecke geht. 

 

Die Liebenden: 

Für Pia Skolicki ist ihre fünfte Teilnahme in Görlitz etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal ist ihr Freund Klaus Fassbinder mit dabei. „Ich bin vor Kurzem erst aus Aschaffenburg zu Pia in die Nähe nach Zittau gezogen“, erzählt er. Selbstverständlich, dass die stellvertretende Pflegedienstleitende an der Sozialstation Zittau „ihren“ Klaus auch gleich ein blaues ASB Shirt für den Lauf mitbringt. „Da kann er sich schon einmal ans Shirt gewöhnen“, freut sie sich sichtlich. Klaus klärt auf: „Am ersten Juli fange ich auch bei Pia an der Station als richtiger ASBler an.“ 

Pia Skolicki mit ihrem Freund Klaus Fassbinder.

 

Der Koordinator: 

Unverkennbar im weißen Einsatzshirt und mit runder Sonnenbrille lehnt an der Streckenabsperrung im Ziel: Jens Winterlich. Er sorgt als Mitarbeiter der Einsatzleitung dafür, dass die Koordination zwischen den 35 Einsatzkräften des ASB reibungslos funktioniert. „Normal ist, wenn alles friedlich und ruhig läuft“, betont Jens Winterlich. Den Einsatz beim Europamarathon bezeichnet er als eine „willkommene Abwechslung.“ Seit 2010 arbeitet er für die Rettungswache in Niesky. 

Jens Winterlich

 

Die Schülerinnen: 

Am Sanitätszelt hinter der Start- und Ziellinie stehen auch Lydia Heidrich und Vanessa Schmid und sind schnell zur Stelle, wenn sich ein Läufer etwas übernommen hat. Sie sind durch eine Schul-AG, dem Schülersanitätsdienst, zum ASB gekommen. Obwohl es die AG nicht mehr gibt, sind Sie dabeigeblieben. „Neben den Wochenendeinsätzen treffen wir uns alle 14 Tage für zwei Stunden zum Training“. 

Die beiden Schülerinnen Lydia Heidrich (17) (vorn rechts) und Vanessa Schmid (17)

 

Der Notarzt: 

Für die engagierten Schülerinnen verlief der Marathon ruhig. Dr. Hempel, der als Notarzt dabei ist, hat auch eine Erklärung: „Wir haben das perfekte Wetter. Es ist nicht zu sonnig und heiß.“ 

Ein paar Einsätze hat es dennoch gegeben. Aber zum Glück verlief alles glimpflich. 

Einsatzleiter Andreas Wünsche mit Notarzt Dr. Hempel.

 

Die Organisatoren: 

Auch der Organisationschef des Marathons in Görlitz ist glücklich. Günther Friedrich übergibt im 15. Jahr seines Engagements, das Amt an Martina Fourier. Sie schaut gleich in die Zukunft und wünscht sich gemeinsam mit dem ASB, die grenzüberschreitende Veranstaltung genauso erfolgreich weiterzuführen. 

Vlnr. Günther Friedrich, Ingolf Zeisler (ASB), Martina Fourier