Exkursion zu einem bedrückenden Ort
Der ASB Sachsen begleitet die Teilnehmenden des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und des Bundesfreiwilligendienstes mit einem vielfältigen Seminarprogramm. Während des 12-monatigen Dienstes finden 25 Bildungstage statt, darunter auch zu Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Demokratieförderung und persönliche Weiterentwicklung. In diesem Rahmen besuchten 17 Freiwillige die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und setzten sich mit einem düsteren Kapitel der DDR-Geschichte auseinander.
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„Ich bin Torgauer, aber ich war noch nie in der Gedenkstätte. Ich bin gespannt, was wir erfahren werden“, blickte unser BFDler Martin auf dem Weg zur Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau voraus, den er in dieser Woche gemeinsam mit 16 anderen Freiwilligen besuchte.
Zu der Exkursion sagte Anke Marx vom Fachbereich Freiwilligendienste beim ASB Sachsen: „Zu unserer pädagogischen Begleitung der Freiwilligen gehören auch Einzelseminartage zu politischen und gesellschaftlichen Themen, die den Blick schärfen. Unser Anliegen ist es, dass sie heute etwas zu einem düsteren Kapitel der DDR-Geschichte erfahren – ganz nah und abseits des Geschichtslehrbuchs.“
In der Gedenkstätte tauchten die Freiwilligen in die Ausstellung ein und erfuhren in einem Vortrag, was sich zwischen 1964 bis 1989 in dem ehemaligen Gefängnisgebäude ereignet hatte:
- Der Jugendwerkhof war ein Ort der repressiven Heimerziehung in der ehemaligen DDR und Disziplinierungseinrichtung.
- Als Gründe für die Einweisung in den Jugendwerkhof gelten Zuschreibungen, wie „Teil einer jugendlichen Subkultur zu sein“, „Disziplinlosigkeit“, „Verhaltensauffälligkeiten“, aber auch „schwierige soziale Verhältnisse“ und politische Gründe.
- Er war der einige geschlossene Jugendwerkhof im System der Einrichtungen zur „Umerziehung“ von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren anhand festgelegter staatlicher Erziehungsziele.
- Mädchen und Jungen wurden getrennt voneinander untergebracht. Jeder Kontakt war untersagt. Der Alltag war von der Arbeit in der Produktion, Sport und vormilitärischer Ausbildung geprägt.
- Körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt gehören zur Geschichte des Jugendwerkhofs. Es hat nach der Schließung keine juristische Aufarbeitung gegeben.
Besonders eindrücklich war das Zeitzeugengespräch mit Jana Mendes Bogas, die in den 1980er Jahren monatelang in Torgau untergebracht war. Sie hat sich entschieden, viele Jahre nach den Ereignissen, über ihre Erlebnisse zu berichten: „Hier herrschte psychischer Druck rund um die Uhr. Gewalt untereinander und vom Personal hat stattgefunden“, so die heute 56-Jährige. „Diese Zeitzeugengespräche sind mein Weg der Aufarbeitung dessen was ich hier erleben musste.“
„Ich habe von meinen Großeltern bereits von dem Jugendwerkhof Torgau erfahren, aber der heutige Tag hat mir noch einmal interessante und detaillierte Einblicke gebracht“, resümierte FSJler Nick am Ende der Exkursion, die viele Teilnehmende sehr nachdenklich stimmte.
