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Ehrenamt im ASB Sachsen

Wo Gemeinschaft zu Hause ist

Das Mehrgenerationenhaus Dommitzsch bringt Senior:innen und Jugendliche zusammen

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Foto: ASB Sachsen

Mittwochnachmittag im Mehrgenerationenhaus Dommitzsch im Landkreis Nordsachsen: Der Duft von Kaffee liegt in der Luft, Stricknadeln klappern, und Jutta Burkhardt ist auch wieder zu Gast. Seit 2014 ist sie fast jede Woche dabei, wenn sich die Strickgruppe trifft, um Söckchen, Strümpfchen oder jetzt – im beginnenden Winter – Handschühchen und Stulpen zu stricken. Es ist für sie ein Stück Gemeinschaft, das sie nicht mehr missen möchte.

Bei Kaffee und Keksen sind die zehn älteren Damen aber nicht nur in ihre Handarbeit vertieft. Es ist auch eine feste Gemeinschaft, die sich hier trifft, eine gesellige Runde, in der sich die Frauen über aktuelles Zeitgeschehen und ihre Alltagssorgen austauschen. „Ohne das Mehrgenerationenhaus hätten wir keine Möglichkeit, uns zu treffen. Manche von uns kommen sogar aus den umliegenden Ortsteilen, teilweise beschwerlich mit dem Bus, der nur selten fährt“, erzählt Jutta Burkhardt. Über die Jahre seien auch Freundschaften entstanden.

Gegen die Einsamkeit

Wie die Strickdamen sieht es auch die Rommé-Spielgruppe, die einen Tisch weiter ins Spiel vertieft ist. Hella Korge, Loni Mingo und Isolde Richter sind der feste Kern der Gruppe, die sich inzwischen seit fünf Jahren für zwei Stunden pro Woche in den Räumlichkeiten trifft, um zu quatschen, sich über Politik, Prominente und über ihre vergangenen sieben Tage zu unterhalten.

Das Unter-Leute-Kommen und das Nicht-allein-Sein sind den Seniorinnen, die an diesem Nachmittag die Einrichtung des ASB-Kreisverbandes Torgau-Oschatz besuchen, das allerwichtigste. Deswegen sind sie froh, dass es seit 2008 diese Anlaufstelle gibt, dank des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus, aus dem deutschlandweit rund 530 Einrichtungen gefördert werden. Auch die Gemeinde ist mit einem Finanzierungsanteil im Boot. „Und wir haben mit dem ASB einen Träger, mit dessen Unterstützung wir hier vor Ort viel bewegen können“, sagt Michael Bagusat-Sehrt, der seit Mai 2024 als Koordinator das Mehrgenerationenhaus führt.

Mit Ideenreichtum und Vielfalt

Gemeinschaft und Begegnung: das ist der Kern des Mehrgenerationenhauses. Es liegt etwas eingerückt an einer Hauptstraße im Ortszentrum. In ihm wird in den oberen Etagen ein Hort betrieben und nebenan eine Kindertagesstätte. 2023 und 2024 wurde die Immobilie saniert. Seit dem Neustart im Oktober 2024 gestaltet Michael Bagusat-Sehrt das Leben im Mehrgenerationenhaus, öffnet die Türen für Sportgruppen, einen Chor, eine Jugendmusikgruppe und bietet Raum für noch viel mehr – sei es ein Eltern-Kind-Kaffee, eine Schach-AG für Jung und Alt oder das Treffen der örtlichen Mitgliedergruppe der Volkssolidarität und das einer Schlaganfall- und-Parkinson-Selbsthilfegruppe. Auch Filmvorführungen, eine Teenie-Disco und eine Medienwerkstatt probiert Michael Bagusat-Sehrt mit seinem Team aus. Zum Team gehören neben ihm zwei Ehrenamtliche, ein FSJler und diejenigen, die Kurse und Gruppen oftmals ehrenamtlich anleiten und Angebote gestalten.

An Ideen für Angebote mangelt es nicht. „Wir haben eine große Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, was sich unsere Besucher:innen wünschen“, erzählt Michael Bagusat-Sehrt. Bei den Älteren seien Handy- und Tabletsprechstunden und andere digitale Themen, wie zuletzt die elektronische Patient:innenakte, sehr gefragt. Auch die Senior:innensportgruppen würden regelmäßig gut besucht. Sie werden von Gabriele Richter geleitet, die sich seit 2022 im Mehrgenerationenhaus engagiert. „Alle Übungen, von der Rückschule bis zum Konzentrations- und Gedächtnistraining, sollen keinen Stress verursachen, sondern Spaß machen und zum Mitmachen motivieren“, erklärt die Physiotherapeutin im Unruhestand. Ihr liege es am Herzen, selbst noch lange sportlich aktiv zu sein und auch ihre Senior:innen dabei zu unterstützen, mobil zu bleiben.

Für mehr Mobilität

Dass junge Menschen in der Region mobil sein können, ist das Anliegen von Manfred Landmann, der seit März 2025 seine monatliche Selbstschrauberwerkstatt für junge Mopedfahrer:innen als Hilfe zur Selbsthilfe anbietet. „Die Idee ist entstanden, weil auch ich das ‚Schrauben‘ so gelernt habe: Tipps von älteren Menschen aufnehmen und dann selbst das Gefährt reparieren.“ Er hoffe, seinen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass die jungen Fahrer:innen etwas sicherer unterwegs sind.

Derzeit arbeitet Michael Bagusat-Sehrt daran, für die kommenden Monate neue Angebotsformate zu organisieren. So plane er, gemeinsam mit dem Verein „Groß stärkt klein“ aus dem Ort einen Wohncontainer in einen eigenen Raum für den Jugendtreff umzugestalten, der dann auf dem Gelände Platz finden soll. „Und ich möchte die Seminarreihe ‚Erinnerungen sichtbar machen‘ zur Erforschung regionaler NS-Schicksale gemeinsam mit dem Leipziger Erich-Zeigner-Haus e.V. etablieren“, blickt der engagierte 50-Jährige voraus. In diesem generationenübergreifenden Projekt werden, so die Idee, Senior:innen gemeinsam mit Jugendlichen in die lokale NS-Vergangenheit eintauchen und in einem gemeinsamem Podcast Geschichte erlebbar machen.

Ob beim Stricken, Schrauben oder gemeinsamen Erinnern: das Mehrgenerationenhaus in Dommitzsch zeigt, wie lebendig Gemeinschaft sein kann, wenn sich Jung und Alt begegnen.