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Ortsverband Neustadt/Sachsen

Pflegelotsen unterstützen mit Rat und Tat

So lange wie möglich selbstbestimmt den Alltag gestalten: Das wünschen sich die meisten Menschen. Doch mit zunehmendem Alter oder gesundheitlichen Einschränkungen entstehen oft Fragen, die Betroffene und Angehörige vor Herausforderungen stellen. Unterstützung bietet hier das Projekt „ASB-Pflegelotse“. Getragen vom ASB-Ortsverband Neustadt/Sachsen e.V. und gefördert durch die Europäische Union sowie dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bietet das Projekt kostenlose Beratung rund um Vorsorge, Pflege und selbstständiges Leben im Alter. Ein Interview mit den Pflegelotsen Christian Kowalow und Katrin Berthold.

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Die ASB-Pflegelotsen haben in Neustadt/Sachsen und Stolpen Anlaufstellen für persönliche Gespräche.

Foto: ASB Ortsverband Neustadt/Sachsen

Warum braucht es aus Ihrer Sicht das Angebot „Die Pflegelotsen“?

Christian Kowalow: Aus unserer Sicht benötigen die Menschen Orientierungshilfen mit Blick auf das Hilfe- und Pflegesystems. Im Mittelpunkt steht für uns der Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität. Unser Anliegen ist es, Pflegebedürftigkeit möglichst hinauszuzögern und Betroffene rechtzeitig über Unterstützungsangebote zu informieren.

Katrin Berthold: Dabei richtet sich die Beratung nicht nur an Senior:innen. Auch Angehörige, Nachbarn oder Familien in schwierigen Lebenslagen finden bei uns Rat und Hilfe. Und für uns ist es wichtig, dass wir uns mit Pflegediensten, Krankhäusern und Pflegeeinrichtungen – aber auch Haus- und Fachärzten gut vernetzen. Wir verstehen uns als Wegweiser und Kontaktvermittler.

 

Mit welchen Problemen kommen Menschen typischerweise zu Ihnen?

Katrin Berthold: Die Themen und Problemlagen sind vielfältig: Fragen zur Pflege, zu Hilfsmitteln für den Alltag, zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmachten oder Betreuungsmöglichkeiten gehören ebenso dazu wie die Vermittlung von Selbsthilfeangeboten. Viele alleinlebende ältere Menschen suchen zudem nach Möglichkeiten für soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe. Ein immer wichtiger werdendes Thema ist Demenz und der Umgang mit ihr.

Christian Kowalow: Oft geht es dabei um mehr als reine Informationen. Nicht selten sind Angehörige durch die Pflegesituation belastet oder Betroffene sorgen sich um ihre Zukunft. Wir unterstützen dann auch bei der Antragstellung – sei es für einen Pflegegrad, einen Heimplatz oder den Schwerbeschädigtenausweis. Wenn es konkret wird, begleiten wir auch einen Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, der über die Zuerkennung eines Pflegegrades entscheidet.

 

Warum ist es sinnvoll, sich bereits beraten zu lassen, bevor ein Pflegegrad vorliegt?

Katrin Berthold: Unserer Erfahrung nach ist es häufig zu spät, wenn man sich in Akutsituationen mit Hilfe- und Pflegeleistungen und ihrer Finanzierung beschäftigt. Wir appellieren an die Menschen, sich vorzeitig mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Oftmals beginnt die Versorgung mit einem Hausnotruf oder einer Unterstützung bei der Hauswirtschaft – ein ambulanter Pflegedienst, eine Tagespflege

 

Das Projekt läuft seit etwa anderthalb Jahren. Können Sie eine konkrete Begegnung schildern, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Katrin Berthold: Ich erinnere mich an einen hochbetagten Herrn, Mitte 90. Seine Ehefrau war schwer dement, und bisher hatte er sich um alles selbst gekümmert. Nun war er überfordert, suchte dringend Heimplatz. Sie waren seit vielen Jahren sehr glücklich verheiratet, er mochte seine Frau im Ort haben, um sie täglich besuchen zu können. Da er kein Auto mehr fuhr kein Auto mehr, mochte er nicht zu weit laufen. Viele, viele Telefonate und Emails später, mit vielen Gesprächen haben wir es geschafft! Mit Tränen in den Augen kam er sich bedanken.

 

Wie hat sich das Angebot in den letzten Monaten in Neustadt/Sachsen und in der Region etabliert?

Katrin Berthold: Das Angebot wird in der Region sehr gut angenommen und wir freuen uns über viele positive Rückmeldungen zu unserer Arbeit. Die Zahl der Anfragen steigt kontinuierlich. Auch immer mehr Ärzte empfehlen ihren Patient:innen und Patienten, sich bei uns zu melden. Rund 90 Prozent der Beratungen finden direkt bei den Menschen zu Hause statt.

Christian Kowalow: Zusätzlich werden regelmäßige Sprechstunden in Neustadt/Sachsen und Stolpen angeboten. Ergänzt wird unser Angebot durch Schulungen, beispielsweise zum Thema Demenz. Uns freut es sehr, dass sich das Projekt in der Region etabliert hat. Es schließt eine wichtige Versorgungslücke und es zeigt, wie wertvoll eine persönliche und frühzeitige Beratung sein kann, damit Menschen möglichst lange ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen führen können.

 

Was würden Sie jemandem sagen, der merkt, dass er oder ein Angehöriger Unterstützung braucht, sich aber noch nicht traut, danach zu fragen?

Christian Kowalow:  Es ist nicht leicht, wenn man spürt, dass man Unterstützung braucht, darüber zu sprechen und darum zu bitten. Dennoch sagen wir:  Warten Sie nicht bis die Kraft nicht mehr reicht! Beginnen Sie mit kleinen Schritten z.B. Einkäufe, Hausordnung…., sie müssen das nicht alleine schaffen. Es ist völlig in Ordnung, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Martin Gey.

Kontakt zu den ASB-Pflegelotsen

 

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